


Gleicher Prompt, nur das Foto war rechts unscharf. Achte auf die Sommersprossen. Alle Bilder sind KI-generiert, die Frau gibt es nicht.
Du lädst ein Foto von dir hoch und bittest die KI um ein neues Bild: als Bewerbungsfoto, beim Wandern, als Gemälde. Das Ergebnis sieht gut aus, nur irgendwie nicht nach dir. Die Haut zu glatt, das Gesicht zu schmal, der Blick fremd.
Woran liegt das? Ich habe es ausprobiert. Damit kein echtes Gesicht hochgeladen werden muss, habe ich eine Frau erfunden, mit gut erkennbaren Merkmalen: Sommersprossen, ein kleiner Leberfleck über der Lippe, graue Strähnen. An ihnen sieht man sofort, ob die KI etwas verändert hat.
So habe ich getestet


Ich habe der KI immer dieselbe Aufgabe gegeben: „Zeig diese Frau beim Töpfern in einer Werkstatt.“ Dabei habe ich vier Dinge verändert und jede Variante dreimal erzeugt:
- Scharfes oder unscharfes Foto
- Mit oder ohne Schutzsatz
- Mit dem Zusatz „mach sie schöner“
- Alles auf einmal oder Schritt für Schritt
KI: GPT Image 2.6 über Higgsfield. 26 Bilder, alle hier gezeigt.
Danach habe ich jedes Bild mit dem Original verglichen und eine Zahl vergeben: 5 heißt „eindeutig dieselbe Frau“, 3 heißt „nur teilweise“. Damit ich mich nicht selbst beeinflusse, hatten die Bilder dabei nur Nummern. Welches Bild zu welcher Variante gehört, habe ich erst danach nachgesehen.
Rate erst mal selbst
Vier Bilder aus dem Test. Welches sieht der Frau links am wenigsten ähnlich?

Tippe auf das Bild, das dem Original am wenigsten ähnlich sieht.
1. Das Foto: scharf oder unscharf?
Das war das deutlichste Ergebnis. Bei gleichem Prompt hat das unscharfe Foto die Frau verändert: Die Sommersprossen sind fast weg, die Haut ist glatt, die grauen Strähnen fehlen. Sie wirkt jünger. Bestellt war das nicht, im Prompt stand sogar ausdrücklich, dass die Sommersprossen bleiben sollen.
Aus dem scharfen Foto
Aus dem unscharfen Foto
Tipp: Tipp ein Bild an, dann siehst du es groß neben dem Original. Die Punkte zeigen meine Bewertung, 5 = eindeutig dieselbe Frau.
Die Erklärung ist einfach: Was die KI auf dem Foto nicht erkennen kann, erfindet sie. Und sie erfindet lieber glatte Haut als Sommersprossen.
Das heißt für dich: Nimm dein schärfstes Foto. Gesicht groß im Bild, gutes Licht, kein Filter. Ein verwackeltes Foto aus dem Halbdunkel macht dich auf dem KI-Bild glatter und jünger, ob du willst oder nicht.
2. Hilft ein Schutzsatz?
Ein Schutzsatz ist ein Satz am Anfang deines Prompts, der der KI sagt, was am Gesicht gleich bleiben soll. Auf Deutsch übersetzt lautete er in meinem Test so:
Bild 1 zeigt die Person. Behalte ihr Gesicht genau so wie auf Bild 1: Gesichtsform, Kinn, Augen und Augenabstand, Nase, Lippen, Augenbrauen, Haaransatz, Hautfarbe, Hautbild, Sommersprossen und Male, Alter. Verändere die Proportionen des Gesichts nicht.
Dann habe ich dieselbe Aufgabe einmal ohne diesen Satz gestellt.
Ohne Schutzsatz
Zwei der drei Bilder sehen genauso aus wie mit Schutzsatz. Beim mittleren ist das Gesicht aber schmaler und kantiger geworden, die Wangen sitzen höher. Mit Schutzsatz und scharfem Foto ist das in keinem Bild passiert. Drei Versuche sind kein Beweis, aber der Satz kostet nichts. Auch OpenAI, der Hersteller von ChatGPT, rät dazu, aufzuschreiben, was gleich bleiben soll.
Prompt mit Schutzsatz zum Kopieren (Englisch)
Image 1 is the only reference for the person. Preserve this person's identity exactly as in image 1: face shape, jawline, eye shape and spacing, nose, lips, eyebrows, hairline, skin tone, skin texture, freckles or marks, and apparent age. Do not alter facial proportions. New scene: the same person working at a potter's wheel in a small ceramics workshop, wearing a faded denim work apron over a plain charcoal T-shirt, a little clay on the hands. Head and upper body visible, face turned toward the camera, calm natural expression. Soft daylight from a large side window, shelves with unglazed bowls blurred in the background. Realistic photograph, natural skin with visible texture, 4:5 vertical, the whole head fully in frame.
3. Und wenn ich „mach sie schöner“ dazuschreibe?
Viele wollen auf dem KI-Bild ein bisschen besser aussehen. Also habe ich hinten an den Prompt angehängt: „Mach sie so attraktiv wie möglich: makellose Haut, schmaleres Gesicht, größere Augen, jünger.“ Der Schutzsatz blieb vorne stehen.
Diesen Auftrag hat Higgsfield abgelehnt, ohne Grund zu nennen.
Überraschung: Einmal kam gar kein Bild. Die anderen beiden sehen der Frau so ähnlich wie ohne den Zusatz, Sommersprossen und Leberfleck sind noch da. Der Schutzsatz hat gewonnen.
Ganz anders lief es beim Bewerbungsfoto. Dort hatte ich dieselben Wünsche ohne Schutzsatz gestellt, und heraus kam eine sichtbar jüngere, andere Frau. Zusammen heißt das: „Mach mich schöner“ ist vor allem dann gefährlich, wenn kein Schutzsatz dagegenhält.
4. Alles auf einmal oder Schritt für Schritt?
Oft liest man: Ändere lieber eine Sache nach der anderen. Ich habe vier Änderungen ausprobiert: grüner Pullover, graue Wand, Licht vom Fenster, wärmere Farben. Einmal alles in einem Auftrag, einmal in vier Schritten nacheinander.
Alles auf einmal
Schritt für Schritt (schieb den Regler)













Original. Schieb den Regler nach rechts.
Das Gesicht bleibt in beiden Fällen fast gleich. Aber Schritt für Schritt werden Haare und Haut immer wärmer und brauner, auch in Schritten, in denen das gar nicht bestellt war. Die Bilder „auf einmal“ blieben näher am Original.
Das heißt für dich: Mehrere Änderungen darfst du ruhig zusammen bestellen. Und wenn du nachbessern willst, fang lieber mit dem Originalfoto neu an, statt immer am letzten Ergebnis weiterzubauen.
Das Ergebnis auf einen Blick
Je Variante drei Versuche. 5 = eindeutig dieselbe Frau, 3 = nur teilweise.
die Grundversion
Sommersprossen verschwinden
einmal schmaleres Gesicht
einmal abgelehnt
Pullover, Wand, Licht, Farben
Haare werden wärmer
Wichtig: Keines der 26 Bilder zeigt eine ganz andere Frau. Die Unterschiede liegen zwischen „eindeutig sie“ und „sie, aber irgendwie anders“. Genau dieses „irgendwie anders“ ist es, was im Alltag stört.
Warum es sich trotzdem fremd anfühlen kann
Nicht immer ist die KI schuld. Drei Dinge spielen mit:
- Das Selfie. Aus Armlänge fotografiert wirkt die Nase deutlich breiter als aus 1,5 Metern Abstand. Das hat eine Studie nachgerechnet. Dein Handy-Selfie zeigt dich also schon anders, als andere dich sehen.
- Das Licht. Anderes Licht und andere Farben lassen ein Gesicht fremd wirken, obwohl es gleich geblieben ist. Studien zeigen: Gerade bei Gesichtern, die wir nicht gut kennen, verunsichert uns schon wenig anderes Licht.
- Dein eigener Blick. Dein Gesicht kennst du vor allem aus dem Spiegel, also seitenverkehrt. Wer dich gut kennt, erkennt dich auf Fotos viel sicherer als Fremde.
Problem und Lösung
| Was dir auffällt | Was du tun kannst |
|---|---|
| Sommersprossen oder Leberflecke sind weg, Haut zu glatt | Schärferes Foto nehmen. Sommersprossen im Schutzsatz nennen. |
| Gesicht zu schmal oder zu kantig | Schutzsatz an den Anfang. Mehrere Bilder erzeugen und das ähnlichste nehmen. |
| Du wirkst viel jünger | Wörter wie „jünger“, „makellos“, „schlanker“ streichen. |
| Nase breiter, Gesicht runder | Foto aus 1,5 bis 2 Metern Abstand statt Selfie aus Armlänge. |
| Haare oder Haut haben eine andere Farbe | Meist nur Licht und Farben. Neu mit dem Originalfoto starten statt weiterzubearbeiten. |
| Alles stimmt, trotzdem fremd | Jemanden fragen, der dich gut kennt. |
Prüf dein eigenes KI-Bild
Leg dein Foto und das KI-Bild nebeneinander und beantworte diese fünf Fragen:
Häufige Fragen
Warum sieht mein KI-Bild mir nicht ähnlich?
Die häufigsten Gründe: Das Foto, das du hochlädst, ist unscharf oder zu klein. Im Prompt steht nicht, dass dein Gesicht gleich bleiben soll. Oder du hast Wünsche wie „jünger“ oder „schlanker“ eingebaut. Manchmal ist es auch nur anderes Licht, und das Gesicht ist eigentlich gleich geblieben.
Was ist ein Schutzsatz?
Ein Satz am Anfang des Prompts, der der KI sagt, was am Gesicht gleich bleiben soll: Gesichtsform, Augen, Nase, Mund, Augenbrauen, Haaransatz, Sommersprossen, Alter. Er garantiert nichts, aber in meinem Test lagen die Bilder mit Schutzsatz seltener daneben.
Warum hat die KI meine Sommersprossen entfernt?
Meistens, weil das Foto zu unscharf war. Was die KI auf dem Foto nicht erkennen kann, ersetzt sie durch glatte Haut. Nimm ein scharfes Foto mit großem Gesicht und schreib die Sommersprossen in den Schutzsatz.
Macht ein Selfie das KI-Bild schlechter?
Ein Selfie aus Armlänge lässt die Nase breiter wirken als ein Foto aus 1,5 Metern Abstand. Das ist belegt. Ob die KI das ins Bild übernimmt, hat noch niemand gemessen. Ein Foto aus etwas Abstand schadet aber sicher nicht.
Mein Fazit
Ich hatte erwartet, dass „mach mich schöner“ das Gesicht am stärksten verändert. Tatsächlich war es das unscharfe Foto. Die KI kann nur übernehmen, was sie auch sieht. Den Rest erfindet sie, und zwar glatter und jünger.
Deshalb meine drei Regeln: scharfes Foto, Schutzsatz, genau hinschauen. Wie du mit deinem eigenen Foto Schritt für Schritt anfängst, steht im Artikel KI-Bild aus eigenem Foto. Dort findest du auch fertige Prompts und Hinweise zum Datenschutz.
Quellen
- Selfie und Nasenbreite: Ward u. a. (2018), JAMA Facial Plastic Surgery. Eine Modellrechnung: Aus etwa 30 Zentimetern wirkt die Nase im Verhältnis zum Gesicht rund 30 Prozent breiter.
- Fremde und vertraute Gesichter auf Fotos: Jenkins u. a. (2011), Cognition, und Hancock u. a. (2000), Trends in Cognitive Sciences. Gelesen habe ich jeweils nur die Zusammenfassung.
- Was gleich bleiben soll, ausdrücklich nennen: OpenAI-Anleitung zum Bild-Prompten (Englisch)
- Alle Bilder: eigener Test am 7. November 2026 mit GPT Image 2.6 über Higgsfield, 26 Bilder. Die Frau ist erfunden, alle Bilder sind KI-generiert.